BiBa-Projekt “Kinder einer Welt" (siehe auch laufende Veranstaltungsangebote)

Das Projekt „Kinder einer Welt“ organisiert seit Herbst 1989 eine regelmäßige Veranstaltungsreihe für Vorschulkinder, Schulklassen, außerschulische Gruppen sowie für ErzieherInnen und LehrerInnen aller Schulstufen.

Unsere Ziele:

Das durch die Medien vermittelte Bild von Armut, Hunger, Elend und Marginalisierung in wenig entwickelten Ländern soll durch die Vermittlung positiver Aspekte dieser Kulturen relativiert werden. Interkulturelle Begegnung soll nicht durch Mitleid, sondern durch Gleichwertigkeit, Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Kulturen gekennzeichnet sein.

Angesichts der sich verschärfenden Lage für die in Deutschland lebenden AusländerInnen durch den Anstieg von Rassismus und Gewalt in Schulen und auf der Straße ist es sehr dringlich, dem diskriminierenden Umgang mit Andersartigen vorzubeugen. Mit diesem Ansatz wollen wir einen Beitrag gegen die Fremdenfeindlichkeit und Gewalt leisten.

Eine weitergehende Zielsetzung des Projekts ist es, die Einbeziehung der Thematik “Dritte Welt“ in den Lehrplan der Berliner Grundschulen zu fördern und neue Methoden und Lehrmaterialien für die Vermittlung dieser Thematik zu entwickeln.

Ein Tag im BAZ*...
(Erfahrungsbericht einer Lehrerin)

„Als wir gemeinsam frühstückten, bereiteten wir die Kinder auf den Besuch im BAZ vor. Wir waren alle gespannt, was uns dort erwarten würde und machten uns auf den

Weg nach Kreuzberg. Als wir später das Treppenhaus betraten und die Treppe hinaufstiegen, wurden wir von einer Afrikanerin empfangen. Sie stellte sich als Koko vor. Koko trug eine turbanähnliche Kopfbedeckung und ein langes buntes Gewand. Sie führte uns in einen Raum, der einem Klassenzimmer glich. An der Wand hing eine Tafel, Tische und Stühle waren zu einem großen Rechteck aufgestellt. Weiter hinten im Raum stand noch ein Schrank. Irgendwie hatte ich mir die Räume etwas „afrikanischer“ vorgestellt und war über die Nüchternheit etwas enttäuscht.

Koko begrüßte noch einmal die ganze Gruppe. Sie gab jedem von uns ein Blatt Papier und diverse Buntstifte. Auf dieses Blatt sollte jeder seine Vorstellungen von Afrika malen. Nachdem wir alle fertig waren bat uns Koko, die eigenen Bilder vorzustellen und zu beschreiben.

Immer wieder waren auf den Bildern Palmen, Löwen und Strohhütten zu erkennen. Die Bilder sammelte Koko für eine geplant Ausstellung ein. Danach gab sie jedem einen Gegenstand aus ihrer Heimat in die Hände. Darunter befanden sich geschnitzte Tiere, Musikinstrumente und Spielzeuge. Sie waren alle selbst hergestellt. Auch hier sollte jeder seinen Gegenstand zu beschreiben versuchen und dabei erraten, aus welchem Material er sein könnte.

Ich versuchte kurz, einen Bezug zu den Spielsachen der Kinder hier herzustellen und erklärte ihnen, daß die meisten Kinder in Afrika ihr Spielzeug selbst basteln, weil sie kein Geld haben welches zu kaufen oder keine Geschäfte in der Nähe sind. Koko bestätigte ihnen dieses. Anschließend wurden alle Gegenstände so lange unter den Kindern getauscht, bis jedes einmal alles in der Hand hatte.

Anschließend zeigte uns Koko noch ein Spiel, das die Kinder in Afrika genauso gern spielen wie die Erwachsenen. Es war ein Geschicklichkeitsspiel. Wir beschlossen, im Kinder-garten dieses Spiel zu probieren.

Dann zeigte uns Koko Dias aus ihrem Heimatdorf in Togo. Sie stellte uns ihre große Familie vor und schilderte, wie sie dort leben. Die Kinder hörten Koko interessiert zu. Ein Kind kommentierte zu diesen Dias: „Das ist ja wie in dem Buch >Muraho< !“ Tatsächlich konnte man hier viele Parallelen feststellen.

Nachdem die Diavorführung beendet war, wollten die Kinder noch wissen, wie die afrikanischen Kinder auf dem Rücken der Mütter befestigt werden. Koko demonstrierte es ihnen mit einem großen Tuch und dem kleinsten Kind aus der Gruppe. Alle lachten, als Phillip von Koko auf dem Rücken herumgetragen wurde. Zum Schluß schlug Koko den Kindern vor, einmal eine afrikanische Familie zu spielen. Auch dafür gab sie uns diverse Utensilien wie z.B. eine Strohmatte, Tücher, eine Kalebasse, Tröge, Töpfe, Schalen und einen großen Mörser. Jedes Kind erhielt, so wie wir Erzieher auch, ein Gewand. Koko gab uns afrikanische Namen und teilte uns unsere Rollen zu. So durchspielten wir einen Tag in einer afrikanischen Familie. Den Kindern machte das so einen Spaß, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten. Aber die verabredete Zeit war schon längst vergangen und wir mußten zurück in den Kindergarten. Trotz der „nicht-afrikanischen Atmosphäre“ hat es uns allen gut gefallen. Wir beschlossen, Koko demnächst wieder zu besuchen, um dann etwas Afrikanisches zu kochen.“

(*) BAZ ist die Abkürzung für Bildungs- und Aktionszentrum Dritte Welt e. V.

Unser Angebot:

1. Themen unserer Veranstaltungen:

- Alltagsleben in Afrika mit Rollenspiel und Verkleidungsmöglichkeit
- Eßgewohnheiten in anderen Ländern mit Kochmöglichkeit mit Schülern
- Musizieren, Tanzen und Feiern wie in anderen Kulturen
- Spiele, Rätsel, Kinderspiele aus anderen Kontinenten
- Landeskunde (Heimatländer der Referenten)
- Alltag von Straßenkindern in Afrika, Asien und Lateinamerika
- Kinderarbeit: Kinder als Sozialversicherung der Eltern
- Tropische Produkte und Lebensbedingungen ihrer Hersteller
- Ökologie und Recycling: Spielzeuge basteln aus unseren Abfallprodukten
- Handwerk: Spinnen, Weben und Batik
- Erzählung und Lesung von afrikanischen Märchen
- Basteln von Schmuckstücken aus Perlen und anderen Material
- Afrikanische Masken basteln
- Bauen von Miniaturhäusern aus Lehm, Stroh, Kartons etc...
- Diavortrag oder Filmbeitrag zum schulischen Kinderalltag und anschließende Diskussion