Verschiedenes aus Balanka 1

Überarbeitete Version vom 20. Mai 2015; Die erste Version wurde am 28. März 2014 verschickt.

Hallo!

In dieser Rundmail werde ich von einigen Aspekten berichten, die mich beschäftigen und beeindrucken.
Ich sende ganz liebe Grüße aus Balanka und wünsche viel Spaß beim Lesen!

Joscha

Klima

In Balanka gibt es eine Trocken- und eine Regenzeit. Diese beiden Jahreszeiten wechseln sich ungefähr halbjährig ab. Die Trockenzeit dauert ungefähr von Oktober/November bis März/April, wobei ich zum Ende noch nichts Genaues sagen kann. Anfang Oktober bin ich also noch während der Regenzeit in Balanka angekommen. Ich erinnere mich an einige, zum Teil sehr starke Regenfälle, die bis zum letzten Niederschlag Anfang November immer seltener wurden. Anschließend regnete es bis auf einen kleinen Schauer im Januar für fast vier Monate nicht mehr. Aber das ist noch lange nicht alles, was das Klima zu bieten hat:

Mit dem fehlenden Niederschlag wurde es trockener. Dies lag auch maßgeblich an einem kalten, trockenen Passatwind aus Nord-Ost, der hier Harmattan genannt wird. Der Harmattan verstärkte die Trockenheit und wirbelte lockere, trockene Erde auf. Dies merkte ich vor allem daran, dass sich überall, wo nicht regelmäßig geputzt wurde, eine Staub- bzw. Sandschicht innerhalb weniger Tage absetzte.
Neben Trockenheit und Staub war der Harmatten auch dafür verantwortlich, dass die Temperaturen während der Nacht stark sanken. Im Laufe der Zeit bewegte er immer kältere Luft heran, bis die Spitze um Weihnachten herum erreicht war, als die Temperatur morgens vor dem Sonnenaufgang auf schätzungsweise 15 °C sank. Trotzdem wurde es Mittags noch um die 30 °C heiß. Damit gab es zu dieser Zeit im Tagesverlauf Temperaturschwankungen von ungefähr 15 °C.
Viele Bewohner_innen Balankas haben sich gegen die Kälte mit dicken Jacken geschützt, deren Maße mich an deutsche Winterjacken erinnerten. Ich habe sogar drei Kinder in Schneeanzügen gesehen.
Eines Morgens machte ich auch eine unerwartete Erfahrung mit der Kälte: Ich bin direkt nach dem Sonnenaufgang mit dem Motorradtaxi gefahren, habe aber nur Flip-Flops an den Füßen getragen. Nach einiger Zeit hatte ich dann aufgrund des Fahrtwindes das Gefühl, meine Füße seien eingefroren.

Seit Weihnachten ging die Intensität des Harmattans aber langsam wieder zurück. Es wurde morgens wieder wärmer und eines Tages gab es einen kurzen Schauer, wie oben schon angesprochen.
Dieser Schauer war der Beginn einer Phase, in der es heiß und drückend war. Die Temperatur stieg mittags auf 35-40 °C an, um nachts bis auf 25-30 °C abzusinken.
Seit Ende Februar bis heute gab es zudem kleinere Schauer und auch stärkere Regenfälle. Dies interpretiere ich als den Übergang zur Regenzeit.

Sprachenvielfalt

Karte der Region Balankas

Was mich immer wieder beeindruckt, ist die Vielfalt der Ethnien und damit auch der Sprachen in Togo. Nach Sarafa, einem Freund aus Balanka, gibt es 42 oder 44 verschiedene Ethnien, die ihre eigene Sprache sprechen. Er konnte sich nicht mehr genau an die richtige Anzahl erinnern.

In der Region von Balanka sieht es zum Beispiel wie folgt aus:
Die Sprache Balankas ist ein Dialekt von Anii, das in Form von anderen Dialekten auch in den Nachbarorten Kouloumi und Bassila (Benin) sowie in weiteren Orten in Benin gesprochen wird. In Kamboli und Aoro (Benin) werden Dialekte der Sprache Ana gesprochen, die ebenfalls in weiteren Ortschaften in Benin verbreitet ist. In Tchamba und Koussountou werden jeweils eigene Sprachen gesprochen, die den Namen ihres Ortes tragen.

Zur Sprachenvielfalt muss ich auch sagen, dass es zum Beispiel im Süden von Togo und im Südosten von Ghana einen großen Bereich gibt, in dem die gleiche Sprache, nämlich Éwé, gesprochen wird. Eine zur selben Sprachfamilie gehörende Sprache ist auch Fon, das in Großteilen von Benins Süden gesprochen wird.
Es gibt also Sprachen und Sprachfamilien, die in größeren und kleineren Bereichen gesprochen werden.

Sarafa hat mir erzählt, dass er mit seinen Kenntnissen des Anii-Dialektes aus Balanka die Dialekte von Kouloumi und Bassila verstehen könne. Außerdem verstehe und spreche er Ana, da er in Kamboli aufs Gymnasium gegangen sei. Hingegen verstehe er kein Koussountu oder Tchamba.
Neben Anii und Ana spreche Sarafa noch Yoroba, da er als Kind einige Jahre in Lagos (Nigeria) gelebt habe, wo unter anderem Yorouba gesprochen werde. Zudem spreche er Kotokoli (Sprache aus Sokodé in Togo), was er bei Konversationen mit Ortsauswärtigen gelernt habe, die mit Menschen in Balanka Kotokoli gesprochen hätten. Kokotoli sei eine überregionale Sprache, die durch Händler aus Sokodé verbreitet worden sei.
Außerdem spreche er Französisch, das er in der Schule gelernt habe und er verstehe ein bisschen Éwé, da er einige Zeit seiner Kindheit im Süden Togos verbracht habe.

Mit der Kenntnis vieler verschiedener Sprachen ist Sarafa keine Ausnahme: Ich bin auf viele Leute getroffen, die wie er im Laufe ihres Lebens viele Sprachen gelernt haben. Der Grund dafür ist, dass diese Menschen in verschiedenen Sprachregionen oder mit Menschen aus verschiedenen Sprachregionen gelebt haben.
Als weiteres Beispiel dafür folgt nun ein Lebenslauf meines Gastvaters Souleman [1], der sich an den erlernten Sprachen orientiert. Dabei habe ich jene dreizehn Sprachen kursiv geschrieben, die Souleman nach eigener Aussage fließend spricht. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass er nicht alle auf dem Niveau seiner Muttersprache Balanka beherrscht. In Klammern erwähne ich dabei häufig das Herkunftsland der erlernten Sprachen.

Souleman ist 1952 in Balanka als eins von sechs Kindern geboren und erlernte Balanka als Muttersprache. In seinen ersten Jahren lebte er mit seinen Eltern auch für 8 Monate im Nachbardorf Koussountou, wodurch er Koussountou lernte.
Bald ist er mit seinen Eltern nach Kumasi in Ghana gezogen, da seine Eltern dort Arbeit gefunden hatten. In Kumasi lebten sie in einem Hof mit Ashanti-(Ghana), Fante-(Ghana), Ahaoussa-(Nigeria), Kotokoli-(Sokodé in Togo) und Mossi-Sprechern (Burkina Faso). So erlernte er auch diese Sprachen. Dafür war zudem maßgeblich, dass Souleman zusammen mit einigen Kindern aus seinem Hof begann, in Kumasi zur Schule zu gehen, wodurch er viel Kontakt mit den genannten Sprachen hatte.
Die Schule, das „Ghana institute of languages“, besuchte er bis zur sechsten Klasse, wobei er neben Englisch auch ein bisschen Französisch und Arabisch lernte.
Im Alter von 14 Jahren musste Souleman aufgrund des Todes seines Vaters die Schule abbrechen, da seine Mutter alleine das Schulgeld nicht bezahlen konnte. Deshalb begann er eine Ausbildung zum Automechaniker, die er erfolgreich abschloss. In den folgenden Jahren arbeitete er als Busfahrer in Ghana und lebte einige Zeit in Lomé, wo er Éwé lernte. Danach ließ er sich in Nigerias größter Stadt Lagos nieder, um als Automechaniker zu arbeiten. Dort eignete er sich Yorouba und Ibo an (beide aus Nigeria).
Bald kehrte Souleman nach Balanka zurück und heiratete seine beiden Frauen, mit denen er nach einigen Jahren wieder nach Lagos umzog. Dort konnte er wieder seiner Arbeit als Automechaniker nachgehen. In Lagos wurden auch die ersten Kinder geboren, die auf diese Weise neben Balanka auch schon Yorouba erlernten. Als der älteste Sohn Moumouni fünf Jahre alt war, zog die Familie wieder nach Balanka um, wo sie bis heute lebt.
Während der letzten zwanzig Jahre in Balanka im frankophonen Togo verbesserte sich auch Soulemans Französisch. Beim Bau der Bibliothek erlernte er außerdem Tchamba, da dabei einige Menschen aus Tchamba mitarbeiteten.

Nun habe ich von etlichen Menschen gesprochen, die eine Vielzahl von Sprachen im Laufe ihres Lebens erlernen. Es gibt aber auch Personen, die wenig Sprachen sprechen: Der Bibliothekar Afissou spricht beispielsweise Anii und Französisch und die Bibliothekarin Barkissou spricht Anii, Kotokoli und Französisch. Und in Balanka sind bestimmt auch Menschen zu finden, die nur Anii sprechen.

1) Anstatt meinen Gastvater wie in der letzten Rundmail Batchene zu nennen, nutze ich seinen eigentlichen Namen Souleman. Batchene heißt nämlich „Papa“ auf Balanka. Zurück zur Textstelle

 

Artikel von Joscha, Freiwilliger der Bibliothek in Balanka 2014/2015

 


 

 

Die Arbeit in Balanka hat begonnen

Überarbeitete Version vom 20. Mai 2015; Die Originalversion wurde am 22. Dezember 2014 verschickt.

Hallo liebe Familie, liebe Freunde und liebe Interessierte!

Seit meinem letzten Bericht vor fast drei Monaten ist viel passiert. Im Folgenden probiere ich, das Geschehene ein wenig mit euch zu teilen. Dabei kann ich leider nur von einem winzigen Bruchteil erzählen, da der Bericht sonst jegliche Rahmen sprengen würde.
Zudem möchte ich zunächst noch einmal auf die Subjektivität meiner Darstellung hinweisen und darum bitten, meine individuellen Erfahrungen nicht zu verallgemeinern.

Handgezeichnete Karte von Togo

Anfang Oktober bin ich mit meiner Mitfreiwilligen Sarah nach Balanka gefahren. Dafür haben wir von Kpalimé aus mit einem Kleinbus ungefähr 400 Kilometer hinter uns gebracht. Zunächst ging es mit Zwischenstopps in Atakpamé und kleineren Städten Richtung Norden, bis wir in Sokodé ankamen. Von Sokodé aus ist unser Bus dann Richtung Benin nach Osten gefahren, um uns drei km vor der Grenze in Balanka abzusetzen.
Mit uns waren 15 weitere Personen und viel Gepäck auf dem Dach des Kleinbusses unterwegs. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass nicht alle Busse in Togo hoch beladen und mit Personen „zugestopft“ sind. Zwischen Lomé und Dapaong fahren auch viele große Reisebus mit Fernseher und Klimaanlage. Mit diesen Reisebussen lässt sich Sokodé und nach einer weiteren Motofahrt auch Balanka wesentlich schneller erreichen als mit dem kleinen Direktbus, der uns das erste Mal nach Balanka brachte. Denn der Direktbus hielt in vielen Städten und wurde von drei Reifenwechseln aufgehalten.

So kamen Sarah und ich das erste Mal in Balanka nach 13 Studen Busfahrt um zwei Uhr nachts an. Trotz der späten Stunde wurden wir herzlich von unserem Gastvater Batchene, der Gastmutter Wetaou und den Gastgeschwistern Saouda, Kabirou und Baki empfangen. Sie halfen uns beim Tragen des Gepäcks in das Haus, in dem wir wohnen dürfen. Es liegt nur circa 50 m vom Haus der Gastfamilie entfernt.
Nach der langen Fahrt war ich müde und froh, in Balanka, dem Ort, in dem ich bis August nächsten Jahres leben werde, angekommen zu sein.

Balanka ist ein überwiegend muslimisches Dorf, das ungefähr 9000 Einwohner_innen zählt, und im Zentralosten Togos liegt. Ich würde Balanka als eine Kleinstadt bezeichnen, jedoch möchte ich die Bezeichnung „Dorf“ nutzen, da viele Bürger_innen Balankas ihren Ort als ein Dorf bezeichnen.

Nachfolgend stelle ich nun einige Ausschnitte meines Alltages in Balanka vor:

Auschnitte meines Alltags in Balanka

Mein Alltag in Balanka beginnt morgens um sieben Uhr mit dem Klingeln meines Weckers. Ich stehe auf, wünsche meiner Mitfreiwilligen Sarah einen guten Morgen und gehe mit ihr in den Garten unseres Hauses, um zu Wässern.
Unser Haus ist im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern in Balanka direkt von einem Garten umgeben. Zum Beispiel liegt das Haus unserer Gastfamilie an einem Hof, indem auch Ziegen, Schafe und Hühner gehalten werden. Bis auf einige Bäume wächst dort dementsprechend nichts. Einen Gemüsegarten hat unsere Gastfamilie aber trotzdem. Er ist nicht weit von ihrem Haus, leicht außerhalb von Balanka gelegen.
Zum Wässern holen wir Wasser in Eimern aus dem Brunnen einer Nachbarsfamilie. Im Garten gibt es viele Pflanzen: Unter anderem Tomaten, Zitronengras und kleine Papaya-, Mango- , Avocado, und Orangenpflanzen. Außerdem steht dort viel Mais, der Anfang November von unserer Gastfamilie geerntet wurde und nun langsam vertrocknet. So ergeht es allen nicht gewässerten Pflanzen, denn seit Anfang November hat es nur ein Mal geregnet. Damit hat die Trockenzeit begonnen, die bis zum April anhalten wird.
Nach der Arbeit im Garten bereiten Sarah und ich unser Frühstück vor. Oft gibt es „bouillie“ (flüssiger Maisbrei) mit Orangen oder Bananen und frittierten Teigbällchen. All dies wird an den Straßen oder in Gehöften morgens verkauft.

Kurz vor neun brechen wir auf, um zur Arbeit zu gehen. Dafür legen wir ganze 200 Meter zurück. Auf halben Weg befindet sich das Haus unserer Gastfamilie, an dem wir morgens nur vorbeigehen, denn die Arbeit wartet auf uns.
An unserem Arbeitsplatz, der Bibliothek Fernanda Warawoul de Balanka, angekommen, treffen wir auf den Bibliothekar Afissou und die Bibliothekarin Barkissou, die auch um neun ihre Arbeit beginnen. Die Bibliothek ist ein großes, zweistöckiges Gebäude. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Raum, in dessen einer Hälte die Bücher und einige Sitzmöglichkeiten zu finden sind. In der anderen Hälfte haben das Cyber-B@lanka, ein Computerkabinett mit Internetzugang, ein Kopierer und der Bibliothekarsschreibtisch ihren Platz.

Die Bibliothek von vorne

Die eine Hälte des Bücherraums

Die drei Computer des Cyber-B@lanka

 

Im Erdgeschoss gibt es außerdem einen Raum, in dem Handys gegen eine geringe Summe aufgeladen werden. Dieses Angebot wird jedoch fast nicht mehr genutzt, da Balanka seit August ans Stromnetz angeschlossen ist und nun die Mehrheit der Bürger_innen ihr Handy zu Hause auflädt. Zuvor war die Bibliothek mit ihrer Solaranlage ein sehr beliebter Ort zum Handyladen.
Im ersten Stock der Bibliothek befindet sich ein großer Saal, den Sarah und ich für unsere Hauptaufgabe, der Schaffung eines Bildungs- und Freizeitprogramms für Kinder, Jugendliche und/oder Erwachsene, nutzen. Und als Mitarbeiter der Bibliothek ist es uns auch möglich, ganz nach oben aufs Dach zu steigen und die Aussicht über Balanka zu genießen. Höher als die Bibliothek ist nur die große Moschee, die in geringer Entfernung in einem schönen Rosarot erstrahlt.





Ausblick vom Dach der Bibliothek

In der Bibliothek sind Sarah und ich von 9 bis 12 Uhr beschäftigt das besagte Bildungs- und Freizeitprogramm vorzubereiten. Dies setzen wir wie folgt um: Jeden Abend von 18:30 Uhr bis 20:00 Uhr gibt es einen Club, der vom Konzept mit einer AG vergleichbar ist. Dabei ist uns die freiwillige Teilnahme besonders wichtig.
Montags gibt es einen Lektüre-Club für Grundschüler, dienstags einen Mathe-Club, mittwochs einen Lektüre-Club für Schüler des „collège“ (7.-10. Klasse), donnerstags einen Spiel-Singe-Spaß-Club und freitags Computerkurse.

Unser Clubangebot

Neben diesen abendlichen Clubs übernehmen Sarah und ich auch einige andere Aufgaben. Zum Beispiel kümmern wir uns um Probleme mit Computern, betreuen Klienten des Internetcafés, stellen Ausleihkarten aus oder fertigen Fotokopien an - allgemeine Bibliotheksarbeit.

Um 12 Uhr beginnt die Mittagspause. Zunächst spülen wir zu Hause das dreckige Geschirr der letzten Mahlzeiten ab. Danach gehen wir zum Essen in unsere Gastfamilie. Dort gibt es meist eine Variation aus Bohnen, Reis, Mais, Nudeln, Yams oder Couscous mit einer Tomaten-, Erdnuss- oder Sesamsoße.
Die Gastfamilie besteht aus unserem Gastvater Batchene, den zwei Gastmüttern Wetaou und Mommy sowie 15 Kindern: Moumouni, Saouda, Awaou, Ibrahime, Kabirou, Samsié, Mourdjana, Foussena, Assana, Baki, Wassiou, Koudous, Mouisse, Moustakim und Latifou. Die eine Gastmutter haben wir jedoch noch nicht kennengelernt, weil sie ihre kranke Schwester in Coutounou, der größten Stadt des Nachbarlandes Benin, pflegt.
Nach dem Mittagessen bleiben Sarah und ich noch so lange wie möglich in der Familie, um mit einigen Gastgeschwistern Zeit zu verbringen. Oft spielen wir Karten oder unterhalten uns. Dabei lernen Sarah und ich von ihnen hier und da auch ein paar Balanka-Vokabeln. Balanka heißt nämlich auch die hier gesprochenen Sprache. Um sie ein wenig zu lernen, haben wir einmal pro Woche Balanka-Unterricht. Für unsere Kommunikation in der Familie und im Dorf ist das Erlernen der Sprache auf einem Basisniveau sehr wichtig, da im Alltag überall außer in den Schulen und in der Bibliothek Balanka gesprochen wird.
Der Aufenthalt in der Familie dauert meist jedoch nicht lange, da Sarah und ich oft das Bedürfnis haben, in unser Haus aufzubrechen, um noch ein bisschen Zeit für uns selber zu haben. Den Rest der Mittagspause nutze ich also, um Berichte wie diesen zu schreiben, ein bisschen zu lesen oder einen Mittagsschlaf zu machen.
Das Haus, in dem wir wohnen, gehört der Projektinitiatorin der Bibliothek, Koko, die aus Balanka kommt, aber heute in Potsdam wohnt. Wenn sie nach Balanka kommt, ist dieses Haus auch ihre Unterkunft.

Gegen 16 Uhr brechen Sarah und ich wieder in die Bibliothek auf. Dort treffen wir letzte Vorbereitungen für den Club des Abends. Beispielsweise heißt das, dass wir Matheaufgaben oder Texte zum Lesen raussuchen. Wenn wir eine dritte Meinung bezüglich unserer Vorbereitung benötigen, können wir den Bibliothekar Afissou fragen.
Ab 18 Uhr kommen die ersten Kinder für den Club, der aber erst gegen 18.30 Uhr richtig anfängt und bis 20.00 Uhr stattfindet. Danach dauert es meistens noch bis 20.30 Uhr, bis wir die Bibliothek verlassen, da wir noch ein bisschen mit Aufräumen beschäftigt sind. Das Clubangebot läuft nun seit fünf Wochen. Je nach Club kamen zwischen 10 (für den Computer-Kurs) und 60-80 Kindern (Spiel-Singe-Spaß-Club). Die Anzahl der teilnehmenden Kinder ist etwas rückläufig. Dies ist aber vermutlich auch normal, da die neuen Clubs zunächst eine Attraktion waren und nach und nach nur noch die wirklich interessierten Kinder kommen.
Erfreulicherweise arbeiten wir bei einigen Clubs mit einigen Lehrern, sowie Sarafa, einem jungen Mann aus Balanka zusammen.
Diese Arbeit macht mir insgesamt großen Spaß.

Nach der langen Abendeinheit gehen Sarah und ich zum Essen in die Familie. Anschließend unterhalten wir uns noch ein bisschen, manchmal auch mit Batchene oder Gastgeschwistern, die jedoch öfters schon schlafen. Dann kehren Sarah und ich zurück in unser Haus und gehen bald ins Bett.


So sieht mein Alltag inzwischen seit fünf Wochen aus. Zuvor haben Sarah und ich einige Zeit für die Erstellung und Ausarbeitung unseres Clubangebotes gebraucht. Außerdem haben wir das Angebot in den sieben Schulen Balankas beworben und einen ersten Informationsabend veranstaltet. Leider mussten wir den Beginn der Clubs um zwei Wochen herauszögern, da Sarah und ich wegen einer Verletzung von Sarahs Fuß zwei Wochen in Lomé verbringen mussten.

Ein weltwärts-Süd-Nord-Freiwilliger

In Lomé sind wir bei zwei Familien untergekommen, die aus Balanka kommen. Das heißt, wir haben bei einer Familie geschlafen und sind zum Essen zwischen den beiden Familien gependelt. Mit dem Sohn der einen Familie, Zoulka, haben wir viel Zeit verbracht, weil er bei meiner Entsendeorganisation in Deutschland, den ijgd (Internationale Jugend- und Gemeinschaftsdienste), für ein weltwärts-Jahr angenommen wurde. Als wir in Lomé ankamen, blieben ihm noch zwei Wochen bis zu seinem Abflug nach Berlin.
Zoulka hat uns unter anderem die Näherei Zam-Ké gezeigt, in der Plastiksäckchen wiederverwendet werden, um daraus Portemonnaies und Rucksäcke herzustellen. Zuvor wurde in den Plastiksäckchen Trinkwasser verschweißt, das viele Togolesinnen und Togolesen trinken. Wenn diese Säckchen leer getrunken sind, landen sie oft auf der Straße. Diese scheinbar nutzlose Ressource macht sich die Näherei Zam-Ké zu Nutzen.
Während der Aktivitäten mit Zoulka haben Sarah und ich uns sehr viel mit ihm ausgetauscht. Ich empfand es als sehr spannend, mit ihm zu diskutieren und ihm bei der Vorbereitung auf seine Zeit in Berlin ein bisschen zu helfen. Anfang November ist Zoulka dann nach Berlin geflogen, wo er nun in einer internationalen Schule im Stadtteil Wedding arbeitet.
Damit ist Zoulka ein weltwärts-Süd-Nord-Freiwilliger. Diese Richtung des weltwärts-Programms besteht dieses Jahr zum ersten Mal, jedoch gibt es nur bis zu 100 Plätze. Ich hoffe, dass sich die Anzahl der Freiwilligen in den nächsten Jahren erhöhen wird. Denn im Moment absolvieren jedes Jahr rund 3500 deutsche Freiwillige ein weltwärts-Jahr in anderen Ländern. Dies ist in meinen Augen absolut kein gleichberechtigter Austausch, der meiner Meinung nach aber sehr wünschenswert ist. (Quelle der Zahlen: www.weltwärts.de/faq-sued-nord.html bzw. www.weltwärts.de/programm.html; 20.12.2014)

 

Ausblick

Mittlerweile bin ich schon seit fast vier Monaten in Togo, davon ungefähr zweieinhalb in Balanka. Ich habe mich in der Bibliothek eingearbeitet, die Familie und Balanka ein bisschen kennengelernt - um das Geschene grob zusammenzufassen. Diese Zeit war einerseits wahnsinnig intensiv, andererseits ist sie verflogen. Und es bleiben noch acht Monate. Somit gibt es noch viel Zeit, um mit Sarah einige unserer vielen Aktionsideen in der Bibliothek umzusetzen, Balanka noch mehr kennenzulernen, ein bisschen zu reisen und vor allem mich dabei mit vielen Menschen auszutauschen. Darauf freue ich mich sehr.

Ganz liebe und warme Grüße aus Balanka,

Joscha

Artikel von Joscha, Freiwilliger der Bibliothek in Balanka 2014/2015

 


 

 

Am 27. September mit Pascale nach Balanka

Als Schüler der 13. Klasse der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Gesamtschule in Potsdam nahm ich an der vierten Gruppenreise von Schülern unserer Schule nach Balanka (Togo) teil. Im Voraus bereiteten wir uns in einigen Treffen auf die Reise intensiv vor. Wir besprachen welche Vorbereitungen noch getroffen werden müssen. Am 27. September 2012 ging es dann los. Mit dem Flieger nach Brüssel und von dort aus nach Lomé, der Hauptstadt Togos. Angekommen in Togo sind wir in ein Hotel etwas außerhalb der Stadt gefahren. Am nächsten Tag tätigten wir letzte Einkäufe für den Aufenthalt und die Vorhaben im Dorf. In den Pausen unserer Einkaufstour besuchten wir einen Teil von Kokos Verwandtschaft. Es war sehr interessant mehr über das Leben in der Stadt zu erfahren und zu sehen, wie auf engstem Raum so viele Menschen zusammen leben. Der Besuch des Chefs von Balanka fiel weniger erfreulich aus. In diesem Moment wurde einem zum ersten Mal bewusst, welche Umstände in diesem Land herrschen. Der Mann wurde aufgrund des fehlenden Geldes aus dem Krankenhaus entlassen, obwohl er fern jeglicher Genesung war. Nun lebte er bei einer Schamanin, die Heilung versprach. Es war erschreckend zu sehen, wie die Menschen dort in die Kräuterheilkunde vertrauen und glauben eine Besserung wäre in Sicht, obwohl der Mann dringendst ärztliche Hilfe gebraucht hätte.

Am nächsten Tag erfolgte eine aufregende Fahrt in den Norden Togos. Als Gäste einer afrikanischen Hochzeit, genossen wir das kulturelle Flair und nahmen an dem religiösen Teil der Hochzeit teil. Anschließend fuhren wir weiter in das Dorf Balanka. Wir wurden herzlichst begrüßt. Mich beeindruckte das freundliche und offene Miteinander. Wir wurden behandelt, als wären wir seit Jahren ebenfalls Dorfbewohner. Unsere Aufgabe gestaltete sich darin eine Regenwasserzisterne auf dem Gelände der neuen Oberschule zu bauen. Gemeinsam mit den ansässigen Maurern und freiwilligen Helfern realisierten wir dieses Projekt. Es war schön zu sehen, wie jeder mit anpackte.

pascale-01Selbst die Kleinsten des Dorfes wollten an den Bauarbeiten teilhaben. Das Engagement der Kinder und Jugendlichen fand ich während des ganzen Aufenthalts in Balanka bemerkenswert. So hilfsbereite Kinder sucht man hier meistens vergeblich. Ein zum Nachdenken anregender Moment war der Besuch der Grundschule. Es waren unglaublich viele Kinder in der ersten Klasse. Die Anzahl der Schüler nahm jedoch von Klassenstufe zu Klassenstufe ab. Dieser Fakt regte mich zum nachdenken an. Bildung ist der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft. Viele Kinder helfen lieber ihren Eltern auf dem Feld um Geld zu verdienen, als zur Schule zu gehen. Das dies sich jedoch nicht auszahlt und man mit dem Schulbesuch eine möglich sichrere Existenz hätte, ist fern jeglicher Realität. Positiv überrascht war ich von der Lernbereitschaft einiger Kinder. Am Abend saßen diese in der Bibliothek und übten das Lesen.

pascale-02Zusammenfassend war die Reise eine riesengroße Erfahrung und es hat sich auf jeden Fall gelohnt an dem Projekt teil zu nehmen. Ich habe viel über mich selbst und andere Menschen gelernt. Das Teilhaben an anderen Kulturen war eine große Bereicherung. Viele Familien gewährten uns Einblicke in ihr Leben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Momente in denen mir ein Kind in die Augen geschaut und mich angelächelt hat zeigten mir, dass es genau richtig war sich für die Reise zu entschließen. Momente in denen die Dankbarkeit dieser Kinder und Familien sichtbar wurde gaben mir das Gefühl von Zufriedenheit und Freude.

Pascale Forkel

pascale-03

Reise nach Balanka vom 20. 04. bis 02. 05. 2012

Als Begleitung von Koko Affo-Tenin flogen wir mit ihr am Freitag von Berlin nach Lomé, blieben dort zur Vorbereitung der Reise nach Balanka einen Tag, herzlich von Freunden und Verwandten von Koko empfangen. Nach Vertragsverhandlungen über das Schuldach ging es bereits am Sonntag nach Balanka, unterwegs Station in Sokodé und Tchamba, abends Ankunft und herzlicher Empfang durch viele Menschen, Verwandte und Bekannte. Balanka: ein Städtchen mitten im Busch; landesübliches Siedlungsbild: Lehmhäuser, Staub, Herzlichkeit und Kinder, die lachen und uns anfassen wollen. In der Dunkelheit die hell erleuchtete Bibliothek – Balanka liegt sonst im Dunkel, hat keinen Strom – mit Kindern und Jugendlichen, die das Licht und die Angebote der Bibliothek am Abend nutzen. In der Woche unseres Aufenthalts: Besichtigung der Schulen und Gespräche mit den Lehrern, Besuch der Baustelle des Gebäudes der Oberschule und Aufmaß der geplanten Dachkonstruktion, Veranstaltungen zu Ehren des Besuchs von Koko: Lesewettbewerb, Fußball, Volleyball, Besichtigung der Krankenstation, Verhandlungen über Finanzen, Bauaufträge, Bautermine, und immer wieder Zeit zu persönlichen Gesprächen mit vielen Menschen des Netzwerks, das Koko für die Balankaprojekte aufgebaut hat und das ganz autonom vor Ort arbeiten kann. Wir hatten den Eindruck einer auf regionalen Strukturen aufgebauten und gut funktionierenden Projektarbeit – etwas, das kein noch so kompetenter Entwicklungshilfespezialist, von außen kommend, je leisten könnte. Als Beispiel sei die akkurate finanzielle Abrechnung genannt: jeder Franc CFA wurde belegt, abgerechnet und, bei den Angeboten, knallhart verhandelt, und das nicht auf französisch, sondern auf Balanka, Ewe usw. Wir standen, mit all unseren Französischkenntnissen, staunend vor dieser Sprachenvielfalt.

Am Samstag fuhren wir nach Lomé zurück, wieder etwa 400 km über Pisten und Schlaglochstraßen. In der Hauptstadt gab es, neben weiteren Baubesprechungen für die Dachdeckung, auch noch ein paar touristische Eindrücke: Atlantkküste, Togosee, Maifeier in Lomé, Märkte und weitere Begegnungen mit Freunden und Verwandten von Koko. Am Mittwochmorgen waren wir wieder in Berlin.

Die Reise war für uns das Eintauchen in eine fremde Welt, deren Bewohner, Kinder, Lebensbedingungen, Klima, Herzlichkeit und Kultur. Merci, Koko

Sigrun Marks und Wolfgang Meckel

reise01 reise02 reise03